Ubuntu, LXDE und ein iBook

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iBook G4

Apple iBook G4

Aufgrund einer großzügigen Spende bin ich nun doch im Besitz einer apfeligen Hardware, wogegen ich mich ja normal aus politisch

en Gründen sträube. Da diese Hardware aber nichts mehr mit Firmenpolitik zu tun hat und noch ein echter Apple ist, habe ich das Geschenk angenommen.

Zu den Details: Vor mir liegt ein 2004er 12″-iBook G4, leider mit der kleinen Grafikkarte und Alibiakku, dafür eben mit PowerPC und ohne dieses Intel-x86-64-Trivial-Zeug. Wenn Microsoft-Software nicht läuft, ist das schon mal ein gutes Indiz. Allerdings hat die Installation von *ubuntu ein paar Tücken. Da mir nach 4 Wochen benutzen bereits die Festplatte verstorben ist, kann ich ein Lied von den Pferdefüßen singen. Ich habe mich für Lubuntu 12.04 entschieden, weil schneller als Unity und doch ist man daheim.

1. Vorabinfos

Dass man natürlich die PPC-Variante von Lubuntu braucht, sollte jedem klar sein, der den Absatz oben gelesen hat. Allerdings haben es alle Versionen von Ubuntu gemein, dass der Treiber der WLAN-Karte nicht mit auf der CD ist. Wenn ich mich nicht vergooglet habe, aus lizenzrechtlichen Gründen. Das sollte aber mit der Installation des Paketes firmware-b43-installer geregelt sein. Aber, Herrschaften, hinter die Ohren schreiben, Ethernetkabel mit herausfallendem Internet griffbereit halten, oder besser direkt beim Starten anstöpseln. Oder die Pakete manuell herunterladen und mit dpkg installieren. Obacht, die ganzen Kernelmoduldateien und das Headergedöns kommt da auch mit rein. Im Installscript vom Paket b43-fwcutter stehen die Details und Downloadlinks. Zusätzlich muss das Script dann angepasst werden. Aber wir damit sind ja schon bei Schritt 2:

2. Installation und erstes Booten

Die Installation von Ubuntu ist ja spätestens seit Ubuntu 11.irgendwas einfacher als jeder Toilettengang. Wie schon erwähnt bietet sich ein Internetkabel an, damit Aktualisierungen zumindest teilweise in die Installation mit einfließen. Wenn alles auf die Festplatte kopiert wurde und nach dem ersten Booten auch alles glatt ging (was bei mir bei allen 5 Neuinstallationen der Fall war), sollte man sich natürlich zuerst Anmelden und alle Aktualisierungen einspielen. Danach ist natürlich der WLAN-Treiber dran, wie schon beschrieben mit der Installation des Paketes firmware-b43-installer. Wer keine keine Lust auf einen Reboot hat, kann auch einfach das Kernelmodul einfügen: sudo modprobe b43 , nach dem Neustart kommt das auch von alleine.

Apple-Autos haben ja nur ein Gaspedal (mehr könnte ja den Nutzer verwirren) und man brauch bei Touchpad-Nutzung eine Möglichkeit fürs Rechtsklicken. Lösung: mouseemu mit der editierten Datei in /etc/default/mouseemu. In dieser Konfigurationsdatei kann man nach Belieben einkommentieren, welche Tasten man nehmen will. In meinem Falle Command- oder in Fachkreisen auch „Apfel„-Taste genannt, sowie F12. Bei dieser Gelegenheit merkt man auch, wie wenig man den Rechtsklick braucht, wenn man die Tastatur entsprechend benutzt. Außer für den Netzwerkmanager ist er eigentlich nicht essentiell. Leider ist das verbaute Touchpad eine ADP-Maus und damit kann ich nicht mit den Synaptics-Tricks arbeiten.

20130130_001Problematisch für mich ist noch das @-Zeichen sowie eckige Klammern, Tilde usw. Bisher habe ich keine gute Lösung gefunden, wer eine hat, kann sie mir gerne mitteilen. Nein, Xmodmap ist keine gute Lösung, sondern erinnert mehr an Rumgemurkse. Und jeder Besserwisser sollte sich zuerst die PPC-Tastatur von 2004 nochmal angucken bevor er meint, die als [alt gr]-nutzbare Taste läge neben der rechten Command-Taste. (Tipp: tut sie nicht, da ist das echte [Enter]. Habe oben mal eine Gedankenstütze abgebildet.)

{Update 19.2.2013:Hurra, die Lösung ist gefunden, das Problem auf OSI-Layer 8 spezifiziert! Ich idiot habe den Tastaturumschalter [fn] gedrückt gehalten und ALLE gedrückten Tasten damit umgeschalten. Ich muss aber nur [alt] zu [alt gr] umschalten. Also gilt: [fn] + [alt] drücken, [alt] gedrückt halten und [fn] loslassen, beliebige Taste drücken, z.B. [8] für die eckige Klammer. Umständlich, aber funktional.}

Nach dem Festplattentod habe ich Backup-Programme wieder richtig lieb und weiß nun, warum ich die die ganze Zeit gemacht habe. Wer schon Unity benutzt und die Integration und Automatisierung der Sicherungen mag, kann sich deja-dup genauso installieren. In LXDE funktioniert alles ebenfalls wie gewohnt. Wer es bisher nicht benutzt hat: TU ES! JETZT! Oder komm hinterher nicht an.

Da anfangs das Booten so ewig dauerte, habe ich den Splashscreen ausgeschaltet. Das ist der einfarbige Screensaver am Anfang, auf dem „Lubuntu“ steht und darunter die laufenden Pünktchen. Ich hab selten auf etwas unbefriedigenderes geschaut. Aber wir sind hier wieder auf einem Nicht-Intel-System, also muss yaboot und nicht GRUB konfiguriert werden. Ist aber sehr einfach: man nehme einen Editor mit Root-Rechten: sudo leafpad /etc/yaboot.conf und editiert offensichtlich die genannte Datei. Die Zeilen mit „append=“quiet splash“ “ einfach mit ## auskommentieren oder gleich ganz Löschen. Allerdings muss man danach noch neu erstellen: sudo ybin . Ist meine Lieblingsstelle, weil ich das IMMER vergesse.

3. Weitere Empfehlungen

Dieser Abschnitt wird wohl sowas wie eine wachsende Liste. Natürlich sollten Pakete wie openssh-server nicht fehlen, aber den Bluetoothmanager spare ich mir in jeder Installation. Ein OpenNX bzw QtNX-Client bleibt bei mir bisher immer hängen. Ich vermute, dass es keine Crosscompiled-Libs gibt. libnx im Speziellen.

Man kann auch mal andere Repositorys für Updates eintragen. Hab ich mal so, mal so gemacht. Der Flaschenhals ist bei mir leider immer die Internetleitung. Wer andere eintragen will, kann mal hier nach Spiegelservern gucken. Hat bei mir immer anstandslos funktioniert. Hintergrund: PPC wird nicht mehr von Canonical  unterstützt. Weil hier aber alles schön Open-Source-ig ist, wird das meiste einfach für PPC neu kompiliert und bereitgestellt. Aber eben nicht von der Firma. Es gibt also keinen Grund zur Veranlassung.

networkmanagerScreenWichtig für Studenten wie mich, die auch mit Servern an der Uni arbeiten, ist natürlich auch der VPN-Zugang. Diese Anleitung ist nur so semi-geeignet, die von der Uni ist nicht viel besser, aber immerhin wird OpenVPN ebenfalls unterstützt. Konkret muss man folgende Pakete installieren: network-manager-openvpn-gnome, network-manager-openconnect, network-manager-vpnc-gnome und den network-manager mit sudo service network-manager restart neu starten. Der Luxus besteht nun darin, dass das Uni-RZ eine *.ovpn-Datei zu Verfügung stellt. Wie oben im Screenshot zu sehen, gibt es rechts unten den Button Importieren. Wählt man hier die .ovpn aus und gibt Benutzer und Kennwort an, ist das alles, was zu tun ist.

Als ich die Grafik oben erstellt habe, musste ich einen Screenshot erstellen. Nunja, das iBook hat ja kein „Drucken“-Knopf, also habe ich dieses Script hier geklaut und etwas angepasst:

#!/bin/bash
DATE=`date +%Y-%m-%d\%H:%M:%S`
import -window root „$HOME/screenshot$DATE.png“

ausführbar gemacht und manuell in der Konsole ausgeführt. Sooft brauch man die Drucken-Taste nun auch nicht… Vielleicht lege ich sie irgendwann(tm) auf eine F-Taste oder so…

Außerdem nutze ich noch LyX mit LaTeX (genauer TeX_Live) für die wissenschaftlichen Arbeiten. Aber wie man das einrichtet, erzähle ich euch nach der nächsten Maus.

4.Fazit

Für einen Computer, der sich eines zweistelligen Alters nähert, läuft Lubuntu überraschend schnell und ruckelfrei in fast allen Situationen. Klare Empfehlung! Bei mir brauchte es beim letzten Booten der Festplatte fast 45 Minuten bis zur Anmeldung. Aber die Installation des Backup-Programms und das Backup selbst hat noch funktioniert. Ich hatte also jede Art von Schwein, die man haben kann. Einziger Tropfen des Wermuts: Der Dateimanager PCManFM ist bei weitem nicht so konfortabel wie ein angepasster Nautilus. Aber die Performance, DIE PERFORMANCE!!11drölf

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