Die Menschheit im Kleinen

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Wenn man in einer Welt lebt, in der der Rest der vierten Gewalt im Schredderwerk landen und hilfesuchende Menschen gedankenlos bespuckt werden*, freue ich mich immer noch, wenn zumindest ein kleines Licht brennt.

Auf dem Heimweg gestern und auf dem Hinweg heute morgen sind gleich mehrere interessante Dinge passiert. An der Haltestelle „3. Grashalm nach der letzten großen Brücke“ saßen abends einige Jugendliche, die man vielleicht zum Klischee „Dorfjugend“ sortieren könnte. Die gerauchten Fluppen landeten allerdings (zumindest in der Zeit, als die Bahn hielt) im Aschenbecher, die geleerten (Bier-?)Flaschen wurden einem Pfandsammler gegeben. Der Typ, der in die Bahn einstieg, schnippte den Sargnagel lieber unter die Bahn.

Heute morgen stiegen 4 gackernde Ü60er zu und auf einer Sitzreihe lag eine Stoffeinkaufstasche, die ich erst der Gruppe zugeordnet hatte. Die verkündete aber kurz darauf lautstark: „des hott wohl ebes liege losse!“ (irgendwie badisch für „Dieser Gegenstand wurde wohl unabsichtlich in einen besitzlosen Zustand überführt.“) und verfrachtete das Einkaufsgut auf die Sitzreihe nebenan, in der schon eine Passantin (grob mein Alter) saß. Ich meine, einen Geldbeutelumriss gesehen zu haben, werde mich aber nicht darauf festlegen. Aus dem Gespräch heraus konnte ich (über meine Kopfhörer hinweg) verstehen, dass die Gruppe an der gleichen Haltestelle aussteigt wie ich und wartete eigentlich darauf, dass aus dem Fund noch irgendwas werden sollte. Der Weg zum Fahrer war schließlich kurz. Um die Sache weiter beobachten zu können, stieg ich dann als letzter aus, musste mich aber dann doch nicht bemühen. Denn das übernahm dann doch diejenige, die seit dem Zustieg in der Nachbarschaft der Tüte saß. Sie ging zum nächsten Servicezentrum des Nahverkehrsanbieters, 50m von der Haltestelle entfernt.

Damit hier aber nicht der Eindruck entsteht, ich hätte was gegen ältere Leute (und nicht gegen gedankenlose) will ich noch dieses ergänzen: In der Reihe vor der herrenlosen Tüte saß ein Ü60er mit Kopfhörern, guten Sennheisern. Zwischen drin stand er auf, steckte sein Samsung Galaxy S3 ein, stieg auf seinen Tretroller und flitzte von der Haltestelle davon. Das hat mich ein wenig begeistert.

*=Meine Lieblingsstelle ist übrigens die Frage „Vor was denn beschützen?“ von der Journalistin.

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